MDR Kultur war zu Besuch bei Glückskind und was dabei rausgekommen ist lest ihr hier bzw. auf der Seite des MDR (da gibt es auch den Radiobeitrag zum Anhören). Quelle: https://www.mdr.de/kultur/flying-yoga-100.html

Neuer Trend

Flying Yoga – sich einfach mal hängen lassen

„Flying Yoga“ – zu Deutsch „fliegendes Yoga“, wird auch „Yoga im Tuch“ genannt. Diese relativ neue Form des Yoga soll nicht nur besonders gut für die Wirbelsäule sein, sondern auch Sportmuffel vom Sofa holen. Wie genau das funktioniert, zeigt ein kleines Yoga-Studio in Leipzig.

von Juliane Neubauer, MDR KULTUR

Eine Frau praktiziert Flying Yoga
Beim „Flying Yoga“ hängt man schonmal kopfüber von der Decke.Bildrechte: IMAGO

Im Leipziger Yogastudio Glückskind stehen knapp zehn Kursbesucher neben zehn violetten Tüchern, die wie große Schlaufen von der Decke hängen. Kursleiterin Nelly Flieger, 32 Jahre alt, stellt die Höhe der Tücher jeweils passend für die Körpergröße der Personen ein. Dann geht es los.

„Nichts Schöneres für die Wirbelsäule“

Nach dem sich alle in Ruhe eingependelt haben, hängen sie nun wie Klappmesser, mit dem Tuch in die Hüfte geklemmt, von der Decke. Flieger erklärt die nächste Übung: „Wir machen uns ganz klein wie eine Kugel. Jetzt kannst du die Wirbelsäule komplett aushängen. Das Tuch trägt dich und für die Wirbelsäule gibt es nichts Schöneres, als dass du endlich mal loslässt.“

Einige der hängenden Kursteilnehmer atmen geräuschvoll und befreiend aus. Das Besondere beim „Flying Yoga“: Alle Yogaübungen auf der Matte können auch hängend im Tuch durchgeführt werden – der „herabschauende Hund“, die „Katze“ oder die „Kobra“.

Von der Ingenieurin zur Yoga-Lehrerin

Seit zwei Jahren bietet Nelly Flieger in Leipzig das „Flying Yoga“ an. Mit dem Yogastudio in ihrer Heimatstadt Leipzig erfüllte sich die junge Frau einen Traum. Auf das „Flying Yoga“ ist sie in Hamburg gestoßen, wo sie bis vor zwei Jahren noch als Ingenieurin arbeitete.

„Damals habe ich das noch als ein sehr statisches Training kennengelernt. Um mal zu sehen, wie fühlt sich ein Handstand oder ein Kopfstand an, wenn man das muskulär noch nicht selber halten kann?“, erzählt Flieger. Zu Beginn habe sie das noch „öde“ gefunden, doch dann habe sich in den vergangenen Jahren viel verändert. „Mittlerweile gibt es ganz viele verschiedene Konzepte im Tuch und das fließt mehr.“

Yoga
Yoga – eine aus Indien stammende Philosophie und Praxis – ist längst in der westlichen Welt angekommen.Bildrechte: colourbox

Schmetterlinge im Bauch

Die weichen Bewegungen und die Ruhe in den Übungen sind wichtig, um auch im Körper einiges wieder in den Fluss zu bringen, sagt die Yoga-Begeisterte. Dazu käme, dass man beim „Flying Yoga“ oft kopfüber sei: „Das auf dem Kopf, das bewegt natürlich viel. Alle Organe werden einmal durchgeschüttelt. Das hat auch eine super Wirkung für Menschen, die Verdauungsprobleme haben. Alles wird wieder auf null gebracht.“

Für Menschen mit Bluthochdruck oder Kreislaufproblemen und für Schwangere sei Yoga im Tuch jedoch nicht zu empfehlen. Ansonsten könne hier jeder mitmachen: „Eigentlich ist das Tuch gerade auch für Übergewichtige, für Menschen mit Gelenkproblemen ideal, weil es einmal das ganze Gewicht abnimmt.“

Viele trauen sich erst in der zweiten oder dritten Stunde, sich im Tuch kopfüber hängen zu lassen und frei zu schwingen. Besondere akrobatische Fähigkeiten brauche man nicht, nur etwas Mut, sagt Kursbesucherin Sarah. Sie sei eher jemand, der sich als Sportmuffel einschätzt. Wenn etwas sehr anstrengend sei, verliere sie schnell die Lust daran – und das sei beim „Flying Yoga“ durch den Schaukel-Effekt nicht so. „Wenn man da mal loslässt, also wirklich auch im Kopf, dann macht es wirklich glücklich und man bekommt Schmetterlinge im Bauch“, schwärmt sie.

Yoga mit Spaßfaktor

Darüber hinaus verlockt es immer, wieder ins Tuch zu steigen. Sportmuffel Sarah kommt schon seit über einem Jahr regelmäßig wieder. Im Yoga geht man davon aus, dass sich negative Gefühle in der Leistengegend sammeln und festsetzen. Der Druck des Tuches kann diese lösen, so die Vorstellung. Yoga-Lehrerin Flieger erklärt, dass im Hüftenbereich des Körpers viele Emotionen säßen – und, dass da ganz viel Muskelspannung sei: „Das Tuch geht da punktuell rein.“

Erst müsse sich der Körper dran gewöhnen, weil er seit der Kindheit nicht mehr in solche einer schwebenden Position gewesen sei. Der positive Effekt: „Das Gewebe wird immer weicher und gleichzeitig trainiert.“

Dass Yoga Körper und Geist beweglich hält und Stress abbauen kann, haben Studien längst belegt. „Flying Yoga“ bringt noch einen Spaßfaktor dazu und ermutigt dazu, sich auch einfach mal hängen zu lassen. Nach der „Flying Yoga“-Stunde verlassen die Kursbesucher sichtbar erleichtert das Studio. Es scheint fast, als würden sie ein kleines bisschen schweben.

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